Spitalgelände wird zum «Quartier im Quartier»


Das baselstädtische Felix-Platter-Spital und das angrenzende Areal wird seit Jahrzehnten als Geriatrie- und Rehablitationszentrum genutzt. Dank dem neu erstellten Spitalbau entsteht viel Gestaltungs- und Freiraum.


▶ PETER JOSSI

Die Zukunft des Felix-Platter-Spitals und damit des ganzen Areals verharrte jahrelang in einem politischen Schwebezustand, bedingt durch die komplexen Entscheidungsfindungsprozesse zwischen den Basler Halbkantonen. Im April 2012 verzichteten die Regierungen von Basel-Stadt und Basel-Land schliesslich auf ein gemeinsames Zentrum für Akutgeriatrie und Rehabilitation auf dem Bruderholz, das unmittelbar am Basler Standrand liegt, sich aber bereits auf basellandschaftlichem Gebiet befindet. Damit klärte sich der Bedarf für die Planung eines Um- oder Neubaus des Felix-Platter-Spitals. Aus der politischen Debatte und einem Mitwirkungsverfahren im Quartier ergaben sich als richtungsweisen Eckpunkte einerseits ein Spital-Neubau bei gleichzeitigem Erhalt und Umnutzung des bisherigen Spitalbaus. Da das Areal des Felix-Platter-Spitals mit einer Grösse von rund fünf Komma drei Hektar mittelfristig nur noch teilweise für die Spitalnutzung benötigt wird, gaben der Regierungsrat sowie der Grosse Rat den Auftrag, auf dem Areal auch neuen Wohnraum zu schaffen und weitere Quartiernutzungen bereitzustellen. Die Planungs- und Begleitphase wurde eng vom Dienstleistungs- und Koordinationsnetzwerks der Quartierorganisationen, dem Stadteilsekretariat Basel-West begleitet. Für die langfristige Nutzungs-Koordination ist eine gemeinsame Trägerschaft im Aufbau. Mit dem Abschluss der städtebaulichen Studien im Herbst 2017 nahm die Transformation des heutigen Spitalgeländes in ein durchmischtes Kleinquartier konkrete Gestalt an – seither trägt das bisher eher umständlich Felix-Platter-Areal bezeichnete Gebiet einen attraktiven neuen Namen: «Westfeld».

Auf dem Westfeld viel Neues
Heute steht das «Westfeld» mitten in der eigentlichen Umsetzungsphase. Auf rund 35 000 Quadratmeter entsteht ein neues, lebendiges Stück Stadt mit 500 Genossenschaftswohnungen sowie Flächen für Gewerbe- und Quartiernutzungen. Die Baugenossenschaft «wohnen&mehr» entwickelt das Areal zusammen mit beteiligten Wohngenossenschaften, Quartierakteuren und involvierten Behörden.

Andreas Courvoisier, Co-Initiant und Vizepräsident der Baugenossenschaft wohnen&mehr fasst die Vorteile zusammen: «Das Westfeld bietet die einmalige Chance, ein neues Zentrum für Basel West zu schaffen, ein Stück Stadt mit Wohnungen und Quartiernutzungen, mit einem verkehrsfreien Quartierplatz, Gassen und Gärten. So entsteht ein Ort der lebendigen Nachbarschaft, nicht nur für die Arealbewohnerinnen und -bewohner, sondern auch für das benachbarte Spital und das umliegende Quartier.»

Die neu gestaltbare Freifläche erstreckt sich von der Richtung Frankreich führenden Verkehrsachse Burgfelderstrasse und der ruhigeren Hegenheimerstrasse. Es entsteht ein neuer Quartierplatz strukturiert durch Pavillons. Der bestehende Grüngürtel mit einem reichen Baumbestand bleibt bestehen und wird aufgewertet. Aus einer übergeordneten städtebaulichen Sicht entsteht mit dem Westfeld ein attraktiver Grüngürtel in der Nähe des Kannenfeld-Parks und ein wichtiges Naherholungsgebiet für ganz Basel-West. Es führt in das am Stadtrand liegenden Iselin-Quartier hinein und geht bis zum Bachgraben-Gartenbad.

Als «öffentliche Scholle» konzipiert und mit grosszügigen Arealzugängen versehen, bietet das Westfeld vielfältige Begegnungs- und Aktivitäts-Optionen für die Quartierbevölkerung. Andreas Courvoisier zu den Chancen und dem Potential: «Durch die Transformation des ehemaligen Spitalareals entsteht ein neues Quartier im Quartier - mit viel Flair und Nutzungsangeboten für Jung und Alt. Der geplante Wohnraum ist auf die vielfältigen Bedürfnisse zugeschnitten: mit unterschiedlichen Wohnungstypen und kompakten Grundrissen für verschiedene Lebensentwürfe und Lebensphasen. Dazu kommen gemeinschaftliche Flächen in «Pantoffeldistanz». Die Vielfalt an Angebot in unmittelbarer Nähe bietet dabei eine gute Grundlage für generationenverbindende Wohnformen mit Betreuungsformen nach Mass und Bedarf. Die unmittelbare Nachbarschaft zu den zeitgemässen Spitaldienstleistungen schafft eine gegenseitige Ergänzung (vergleiche Infobox).

Altes Spitalgebäude wird neues Gemeinschafts-Wohnhaus
Schweizweit beachtet wird die Umnutzung des bisherigen Felix Platter-Spitals in ein «Miteinanderhaus». «Auf neun Etagen entsteht ein vertikales Dorf mit 130 Wohnungen, einem Laden, einem Fitnesscenter, Kinderbetreuungsangeboten, einem Bio Bistro und Treffräumen für die Haus- und Quartierbewohner», beschreibt Andreas Courvoisier, was im alten Spitalgebäude neu entsteht.

Das ehemalige Spitalgebäude wird in ein Wohngebäude mit 130 Wohnungen umgenutzt. Im September 2017 lancierte wohnen&mehr einen Studienauftrag mit dem Ziel, das geeignetste Projekt für die Umnutzung zu finden. Das Gestaltungs-Wettbewerbsverfahren wurde von einer Jury begleitet, in der auch Vertretungen aus dem Quartier beteiligt waren. Die Quartierbevölkerung hat in Studien, Umfragen und Workshops wiederholt das Anliegen nach Orten der Begegnung und des Austauschs geäussert. Die Baugenossenschaft wohnen&mehr hat den Ball aufgenommen und sieht im umgenutzten Spitalgebäude Treffräume für das Quartier vor.

Das Foyer ist das Herzstück des umgenutzten Spitalgebäudes und verbindet als grosszügige, öffentliche Querung den künftigen Quartierplatz auf dem Westfeld mit der Hegenheimerstrasse. Vom Foyer aus sind die öffentlichen Nutzungen im Parterre über eine innere Gasse erschlossen, so beispielsweise Kinderbetreuungsangebote, ein Quartierladen, Treffräume für das Quartier, ein Streetfood-Angebot und ein Gesundheits- und Fitnessbereich. Das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes bleibt vollständig erhalten. In den Obergeschossen finden 130 kompakt geschnittene Wohnungen Platz. Das Spektrum des Wohnangebots ist breit: Es reicht von Maisonette- und Budgetwohnungen über Studio- und Clusterwohnungen bis zu Joker- und Gästezimmern.

Umsetzungsplan auf Kurs

Als nächster Umsetzungsschritt stehen nun die Rückbauarbeiten im Innern des Gebäudes und auf dem restlichen Areal an. Bis 2022 entstehen im umgenutzten Spitalgebäude und in Neubauten insgesamt über 400 Wohnungen. In der zweiten Bauetappe werden ab 2024 weitere 100 Wohnungen realisiert.

Peter Jossi, Chefredakteur Lebensmittel-Industrie, Lebensmittel-Ingenieur FH



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