Mit Sensorarmband Kinderwunsch erfüllen

Die Ava AG hat am Swiss Medtech Day vom 12. Juni in Bern den von Swiss Medtech verliehenen Swiss Medtech Award gewonnen. Ausgezeichnet wurde das Zürcher Start-up für die Entwicklung eines Fertilitäts-Trackers. Weitere Nominierte waren die Xeltis AG und Bühlmann Laboratories AG.

▶ KATHRIN CUOMO-SACHSSE

Eines der Highlights des vom Schweizer Verband der Medizintechnik zusammen mit Innosuisse durchgeführten Swiss Medtech Day ist die Verleihung des Awards für herausragende Leistungen in der Medizintechnik. Für den erstmals mit 50 000 Franken dotierten Preis hat eine vierköpfige Jury aus insgesamt 25 Bewerbungen die drei Nominierten und schliesslich das Zürcher Start-up Ava ausgewählt. Dieser hilft Frauen, ihre fruchtbaren Tage zu erkennen und sich so leichter ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Der Jury-Vorsitzende Prof. Mirko Meboldt von der ETH Zürich überreichte den Preis vor rund 600 Teilnehmenden. Er würdigte den hohen Nutzen und die unternehmerische Leistung der 2014 gegründeten Firma. Auch die beiden anderen Award-Nominierten, die Xeltis AG und Bühlmann Laboratories AG, tragen mit ihren zukunftsweisenden Medizinprodukten – einer künstlichen Herzklappe und einem Heimtest für chronisch Darmerkrankte – deutlich zur erhöhten Lebensqualität der Patienten und zur effizienteren Gesundheitsversorgung bei.

Preisübergabe: (von links) Der Jury-Vorsitzende Prof. Mirko Meboldt von der ETH Zürich, Rubino Mordasini, Past Präsident Swiss Medtech, Moderatorin Jessica Herschkowitz, Philipp Tholen, Mitbegründer und Leiter Product & Operations Ava, sowie Peter Stein, Mitgründer und Leiter F&E Ava. Foto: Hans Mosimann

Geschäftsmodell überzeugt
Das Sensor-Armband von Ava misst über Nacht die Temperatur und acht weitere physiologische Parameter wie Atemfrequenz oder Puls. Die erfassten Daten gelangen jeden Morgen via Smartphone-App von den Benutzerinnen zum Server von Ava. Mit Hilfe von Algorithmen werden dann die fünf fruchtbaren Tage berechnet und zurückgemeldet. Mehrere klinische Studien am Universitätsspital Zürich sowie an weiteren Kliniken belegen eine 89-prozentige Treffgenauigkeit. Das benutzerfreundliche Produkt ist erfolgreich in den USA und in Europa auf dem Markt. Täglich werden rund 15 Schwangerschaften registriert, die mit Unterstützung der Technologie möglich wurden. «Unsere Vision ist, Frauen mit unseren Produkten durch ihre gesamte reproduktive Lebensphase zu begleiten», erklärt Peter Stein, Ava-Mitgründer und Leiter Forschung und Entwicklung. Dazu entwickelt das Start-up weitere Lösungen, etwa zur Verhütung, für das frühzeitige Erkennen von Ursachen für Unfruchtbarkeit oder zur Vermeidung von Komplikationen während der Schwangerschaft.


Der Heimtest-Set «IBDoc» zur Messung des Biomarkers Calprotectin.

«Zum einen überzeugte uns, wie das Medizinprodukt von Ava an Hand verschiedener Parameter spezifische Auswertungen ermöglicht und wie die Firma ihre Technologie-Plattform mit weiteren Angeboten ausbaut. Zum anderen hat es das Start-Up dank seinem ausgeklügelten Geschäftsmodell in kurzer Zeit geschafft, beträchtliches Wachstum zu generieren», begründet Prof. Mirko Meboldt für die Jury die Wahl der Gewinnerin. Ava hat an ihrem Sitz in Zürich bereits über 45 Arbeitsplätze geschaffen und plant bis Ende des Jahres weitere 20 neue Stellen. Das Unternehmen führt Zweigstellen in San Francisco und Belgrad und will 2018 ein Büro in Asien eröffnen.

Labortests für zu Hause

Auch die Lösung der Award-Nominierten Bühlmann Laboratories AG basiert auf der Auswertung von Daten: Die bereits 1976 gegründete Firma hat einen Smartphone-gestützten Schnelltest entwickelt. Mit «IBDoc» können Patienten mit chronischen Darmerkrankungen erstmals zu Hause selbst Messungen des BiomarkersCalprotectin vornehmen. Damit überwachensie den Entzündungsverlauf und können bei Bedarf mit dem Arzt die Therapieentsprechend ausrichten. Im Vergleich zur Laborauswertung stehen die Ergebnisse mit dem Heimtest in 15 Minuten und damit bedeutend schneller zur Verfügung. Die Anwendung besteht aus der Kombination von verschiedenen innovativen Komponenten wie einem verschlussdichten Extraktionsröhrchen für die Stuhlprobe und einer App zur richtigen fotografischen Erfassung der Testkassette. Das bedienungsfreundliche Produkt wird bisher weltweit von 2000 Personen benutzt.

Die künstliche Pulmonal-Herzklappe der Xeltis AG.

Künstliche Herzklappe für Kinder
Lebenswichtig ist die Innovation der Xeltis AG. Im Jahr 2000 aus einem Spin-off der Universität Zürich hervorgegangen, hat das Unternehmen eine künstliche Herzklappe entwickelt, die den Körper dazu stimuliert, selbst eine neue aufzubauen. Bei der natürlichen Wiederherstellung des Gewebes wird das Implantat schrittweise absorbiert. Zum einen besteht das verwendete Material aus supramolekularen Polymeren, erforscht von einem Chemie-Nobelpreisträger. Zum anderen setzt das Unternehmen sein patentiertes Elektrospin-Verfahren für die Bearbeitung der Herzklappenbestandteile ein. Dank dieser neuen Methode kann Millionen betroffenen Kindern geholfen werden. Im Rahmen klinischer Studien wurden bei 12 jungen Patienten in Europa und Asien erfolgreich Pulmonalklappen eingesetzt. Die Ergebnisse überzeugen Herzchirurgen weltweit. Im Jahr 2021 will die Firma mit Zweitsitz in den Niederlanden das Produkt auf den Schweizer Markt bringen.

Der Fertilitäts-Tracker plus App der Ava AG.

Mit effizienten Medizinprodukten Kosten senken
Neuartige Medtech-Technologien und -Verfahren verbessern nicht nur die Qualität, sondern auch die Effizienz der Gesundheitsversorgung, wie die drei Beispiele eindrücklich belegen: Mit dem Therapieansatz von Xeltis lassen sich im Laufe eines Patientenlebens die Kosten für Eingriffe, Nachbehandlungen und Untersuchungen in Millionenhöhe reduzieren. Mit dem Schnelltest von Bühlmann entfallen unnötige Arztbesuche und Endoskopien, was laut einer Studie allein einem jährlichen Sparpotenzial von rund 1200 Franken pro Patient entspricht. Auch die laufenden Kontrollen des Schwangerschaftsverlaufs mit dem Ava-Fertilität-Tracker machen Zusatzuntersuchungen überflüssig. Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen leisten die Firmen zudem einen wertvollen Beitrag zum Werkplatz Schweiz.

Science Slam, Referate und Breakout-Sessions
Während des Swiss Medtech Day wurden 39 Poster mit innovativen Medtech-Forschungsprojekten vorgestellt. Acht Teams präsentierten beim Science Slam ihre Neuheiten im Blitzvortrag. Dabei wurde die Firma Credentis mit ihrem unterhaltend präsentierten zahnmedizinischen Produkt vom Publikum zum Sieger gekürt. Marco Gadola, CEO der Straumann Group, beschrieb den spektakulären Weg seiner Firma aus der Krise hin zum Weltmarktführer.

Als Keynote-Referentin sprach Professorin Andréa Belliger vom Institut für Kommunikation & Führung über die Dringlichkeit der digitalen Transformation von Unternehmen und an sechs Breakout Sessions wurden branchenspezifische Fragen diskutiert. Die diesjährigen Themen reichten vom Innovations-Support für Start-ups und KMU bis zu Kooperationsmodellen bei der Implementierung der beiden neuen EU-Regulierungen für Medizinprodukte (MDR) und In-vitro-Diagnostika (IVDR). Mit über 500 Teilnehmern stellt der zum dritten Mal durchgeführte Swiss Medtech Day die grösste nationale Plattform für Industrie, Handel, Forschung und Start-ups aus der Medtech-Branche dar.

Kathrin Cuomo-Sachsse, Kommunikation, Swiss Medtech, Kontakt: Tel. +41 31 330 97 79



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