Effizienter Ressourceneinsatz gesucht

Obwohl der Gesundheitssektor aus Umweltsicht einer der wichtigsten Konsumbereiche ist, gibt es für diesen kaum ganzheitliche Umweltbewertungen. Dies stellt Spitäler zunehmend vor die Herausforderungen, weitere Optimierungen herauszuarbeiten, die sowohl wirtschaftlich als auch umweltverträglich sind.

▶ ANDREA RAIDA & DOMINIKA DRAGON

Das Forschungsvorhaben «Green Hospital – Ressourceneffizienz bei Schweizer Spitälern» hat sich zum Ziel gesetzt, bisherige Forschungslücken über umweltrelevante Prozesse in Spitälern zu schliessen. Es gilt konkrete Vorschläge zur ressourceneffizienten Prozessoptimierung auszuarbeiten und zu testen, um damit die Schweizer Spitallandschaft nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltigkeit, ein Begriff, der nicht unbedingt im Zusammenhang mit einem Spital steht, bietet den Spitälern jedoch bemerkenswerte Potenziale im Bereich der Kosten- und Ressourceneinsparung. Definiert durch die drei Seiten Ökologie, Ökonomie und Soziales, stellt die Integration von Nachhaltigkeit in den Spitalbetrieb einen ganzheitlichen Ansatz zum umweltverträglichen Ressourcenverbrauch dar.

Nationales Forschungsprogramm NRP 73
Der produzierte Abfall, der Energieverbrauch und der Wasserverbrauch der Krankenhäuser tragen massgeblich zur Umweltbelastung bei. Dieser Ressourcenverbrauch geht gleichzeitig mit einer hohen Kostenbelastung einher, die ein zeitnahes umweltorientiertes und ressourcenschonendes Wirtschaften der Spitäler erforderlich macht.

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NRP 73 «Sustainable Economy» des Schweizerischen Nationalfonds arbeiten in einer interdisziplinären Forschungsgruppe die Experten der Forschungsgruppe für Ökobilanzierung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der Abteilung «Health Care Logistics» des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund (IML) und des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) gemeinsam mit Partnerspitälern an der kosteneffizienten und umweltverträglichen Gestaltung von Spitalprozessen.

Das mit einer Gesamtprojektlaufzeit von vier Jahren gestartete Forschungsvorhaben erstreckt sich bis August 2021 und will gemeinsam mit den bereits involvierten Spitälern, dem Inselspital Bern, dem Hôpitaux Universitaires Genève und dem GZO Spital Wetzikon in fünf Phasen die Forschungslücke zu Umweltbelastungen und Ressourceneffizienz im Gesundheitssektor schliessen. Dazu gilt es zunächst, einen umfassenden Überblick über den Ressourcenbedarf im Schweizer Spitalsektor zu generieren sowie die für die Umweltbelastung und Ressourceneffizienz der Spitäler relevanten Faktoren herauszuarbeiten. Aus diesen Umwelthotspots lassen sich Ansätze für umweltfreundlichere Prozesse ableiten, deren praktische Umsetzbarkeit in den Spitälern getestet wird.

Klare Rollen für die Partner
Die Aufgaben im Projekt sind dabei klar verteilt, das ZHAW ermittelt im Rahmen eines Life Cycle Assessments umweltrelevante Spitalprozesse, die vom Fraunhofer IML auf eine ressourcenschonendere Gestaltung untersucht werden (Potenzialanalyse). Das IWSB untersucht die im Laufe des Projektes erhobenen Daten auf Kosten- und Umwelteffizienz. Durch Hochrechnung der erhobenen Daten auf den gesamten Schweizer Spitalsektor wird es möglich sein, dessen gesamte Umweltauswirkungen zu schätzen. In diesem Sommer erfolgt in dem ersten von insgesamt zwei gemeinsam mit den Partner-Spitälern stattfindenden Workshops die Sammlung und Erhebung von qualitativen und quantitativen Daten, die für das Life Cycle Assessment und die Potenzialanalyse relevant sind.

Entwicklung eines ökologischen Key-Parameter-Modells
Nach Beendigung des Projektes sollen die aus dem Forschungsvorhaben gewonnenen Ergebnisse und Empfehlungen allen Schweizer Spitälern von Nutzen sein. Durch die Entwicklung eines ökologischen Key-Parameter-Modells wird es Spitälern in der gesamten Schweiz möglich sein, verbesserte bzw. genauere Informationen über deren Ressourceneffizienz zu erhalten. Mit sogenannten Umwelt-Benchmarks können Spitäler eine Bewertung ihrer Umweltauswirkungen und des ökologischen und ökonomischen Nutzens ausgewählter Verbesserungsansätze vornehmen. Im Bewusstsein ihrer eigenen Leistung gegenüber anderen Spitälern können dann fundierte Entscheidungen über die Einführung umweltfreundlicher Prozesse und Technologien seitens der Spitäler getroffen werden.

Die Gestaltung von ökologisch relevanten Spitalprozessen hinsichtlich Kosteneffizienz und Umweltverträglichkeit ist das zentrale Anliegen des Forschungsvorhabens. Durch Erstellung eines topaktuellen Überblicks über Umweltauswirkungen aller Schweizer Spitäler wird die Wissenslücke zu Umweltbelastungen und Ressourceneffizienz im Gesundheitssektor geschlossen. Damit leistet das Forschungsprojekt einen wichtigen Beitrag, um Transparenz in die Umweltbewertung von Spitälern zu bringen sowie an den Aspekten der Nachhaltigkeit orientierte Prozessoptimierungen aufzuzeigen.

Auf der Projekt-Homepage (www.greenhospital.ch) stehen aktuelle sowie weitere Informationen rund um das Forschungsvorhaben sowie die Kontaktdaten der Ansprechpersonen der einzelnen Forschungspartner zur Verfügung.

Andrea Raida ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), Abteilung Health Care Logistics.

Dominika Dragon ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), Abteilung Health Care Logistics.



Best Partner für Kliniken, Spitäler und Heime 4 / 2018