Kompetenzen für die digitale Transformation

Der Zertifikatskurs «eHealth – Gesundheit digital» behandelt die wichtigsten Themen der digitalen Transformation im Gesundheitswesen. Der zehntägige Kurs vermittelt einen Überblick über die neuen technischen, organisationalen, betriebswirtschaftlichen, aber auch kulturellen Chancen und Herausforderungen.

▶ PROF. DR. ANDREA BELLIGER

Der gesetzliche Rahmen für eine sichere digitale Kommunikation im Gesundheitswesen in der Schweiz wurde 2017 mit der Inkraftsetzung des Gesetzes über das elektronische Patientendossier geschaffen und langsam finden technologische Entwicklungen wie eHealth, mHealth, Big Data, Apps und Wearables Beachtung und Eingang in Kliniken, Praxen und Labors und damit in den Alltag des ersten Gesundheitsmarktes. Unabhängig vom klassischen Gesundheitswesen hat sich aber, wenn es um die persönliche Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit geht, schon länger eine Art Paralleluniversum entwickelt. Die Welt der vernetzten Bürger und Konsumenten, die Welt der ePatienten. Ein Paralleluniversum, das auf den Möglichkeiten der Vernetzung gründet, neue Werte und Normen und damit neue Ansprüche hervorbringt und von denen eine starke transformative Kraft ausgeht, die das Gesundheitswesen, so wie wir es heute kennen, gerade ziemlich auf den Kopf stellt.

Der Patient auf Augenhöhe
Denn Patienten und Angehörige bringen heute nicht nur ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrung mit der Krankheit mit, sondern ein online- und offline-Wissensnetzwerk. Neu ist, dass nicht mehr bloss Leistungserbringer das Care-Team bilden, sondern auch Patienten und Angehörige integriert sein möchten. Gut informierte Patienten sind heute nicht mehr bereit, einfach nur passive Empfänger von Gesundheitsdienstleistungen zu sein. Viele haben den berechtigten Anspruch auf Augenhöhe mitzuentscheiden, wenn es um ihre eigene Gesundheit geht. Dabei haben die Patienten sehr realistische Vorstellungen, verlangen nicht einfach nach der neusten Therapie, dem teuersten Medikament.

Ein kultureller Prozess
Das Gesundheitssystem ist eine der letzten Branchen, die von der digitalen Transformation erfasst wird. Die sich abzeichnenden Veränderungen wurden lange ignoriert. Das System funktioniert ja relativ stabil: Den Leistungserbringern, Versicherungen und auch den Patienten geht es gut. Wir haben eine hohe Versorgungsqualität. Lange schien es scheinbar keine Notwendigkeit für Veränderung zu geben. Aber das ändert sich gerade. Die Bereitschaft seitens der Akteure im Gesundheitswesen, sich der Thematik anzunehmen, ist spürbar. Das Bewusstsein, dass sich etwas verändert, ist vorhanden. Aber es herrschen wenig Anreiz und eine gewisse Ratlosigkeit, wenn es um die Haltung dieser Veränderung gegenüber oder die konkrete Umsetzung und Anwendung geht. Dass viele Organisationen in hochkomplexen, interdependenten technischen Systemen quasi gefangen sind, macht die Sache nicht einfacher. Dabei ist digitale Transformation eigentlich im Kern kein technologischer, sondern vielmehr ein kultureller Transformationsprozess. Eine grosse Herausforderung besteht im Moment in der Ungleichzeitigkeit von Gesundheitssystem und Gesundheitsmarkt. Während auf der einen Seite Entwicklungen exponentiell vonstatten gehen, beschäftigt man sich im klassischen Gesundheitswesen in der Tat noch mit Fragen der Interoperabilität und des elektronischen Datenaustausches zwischen Leistungserbringern. Wir leben in einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, in zwei Paralleluniversen. Das Charakteristikum einer Transformationsgesellschaft.

Die vernetzte Gesundheitswelt kommt
Und die gegenwärtige Situation ist zudem sehr dynamisch. Es werden künftig noch mehr Akteure, die traditionellerweise nicht aus dem Gesundheitswesen stammen, sich dem Thema Gesundheit annehmen, Firmen wie Google, Apple, Uber, Alibaba, Amazon oder Migros. Die Grenzen zwischen erstem, zweiten und dritten Gesundheitsmarkt werden durchlässiger. Aber auch die herkömmlichen Player werden sich Richtung einer vernetzten Gesundheitswelt bewegen. Mit dem elektronischen Patientendossier, das nun ja tatsächlich eingeführt wird, können nicht nur Leistungserbringer und Versicherer Daten digital austauschen, sondern auch Patienten selber auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen. Wir werden viele Innovationen in der Bio- und Nanomedizin, im Bereich der personalisierten Medizin, auf dem Hintergrund von Big Data und prädiktiver Analytik, mit neuen Formen der Diagnostik und Therapie sehen. Und uns mit den grossen gesellschaftspolitischen Fragen nach Solidarität, Zusammenhalt und letztlich der Frage nach dem allem zugrunde liegenden Menschenbild auseinandersetzen müssen.

Die Kompetenzen erweitern
Der Zertifikatskurs «eHealth – Gesundheit digital», der am 29. März 2019 zum 9. Mal startet, beleuchtet all diese genannten Themen der digitalen Transformation und künftigen Entwicklungen, Märkte und Prozesse im Gesundheitswesen.

Der 10-tägige Weiterbildungskurs vermittelt Personen in Gesundheitsberufen, Health Care Professionals, Projektmanagern aus dem Pharma-, Medtech- oder Krankenversicherungsbereich, Beratern und Entscheidungsträgern in Health Care Infrastruktur- und Dienstleistungssektoren einen Überblick über diese neuen technischen, organisationalen, betriebswirtschaftlichen, aber vor allem auch kulturelle Möglichkeiten im Gesundheitswesen.

Im Rahmen des vier Monate dauernden Kurses werden umfassende Kompetenzen im Bereich Gesundheitssystem der Zukunft, Digital Health Innovation, Technologie und Infrastruktur, neue Dienstleistungen, eHealth Management, zu Kultur- und Rechtsfragen, Datenschutz und Ethik im weiten Feld von Digital Health aufgebaut.

Ausgehend von einer Perspektive, in welcher der Mensch im Mittelpunkt steht, orientiert sich unsere berufsbegleitende Weiterbildung an einem breiten, das ganze Leben begleitenden Konzept von Health & Care. Der CAS eHealth – Gesundheit digital basiert auf einem umfassenden bottom-up-Verständnis von eHealth, in dem die Konsumenten und Adressaten von Health & Care als Hauptakteure des Gesundheitssystems betrachtet werden, die einen entscheidenden Einfluss auf künftige Entwicklungen, Märkte und Prozesse haben.

Zentrale Themen der Weiterbildung sind:
❱❱ Digitale Transformation im Umgang mit Gesundheit und Krankheit
❱❱ Healthcare Environment – Grundlagen und Dimensionen von eHealth und Digital Health im 1., 2. und 3. Gesundheitsmarkt
❱❱ Political Environment – politische Rahmenbedingungen für eHealth und Modellprojekte
❱❱ Technological Environment – eHealth Architektur und Infrastruktur
❱❱Technologische Visionen und Herausforderungen
❱❱ ePatients, Patient Engagement & Participatory Medicine
❱❱ Innovative eHealth-Geschäftsmodelle und -Businessstrategien für primäre und sekundäre Dienstleister
❱❱ eHealth im stationären und ambulanten Umfeld
❱❱ eHealth im Praxistest am Beispiel konkreter Implementierungen
❱❱ Integrierte Versorgung 2.0
❱❱ Online-Apotheken und eRezept
❱❱ Online-Arztpraxis
❱❱ eConsulting & Online-Beratung
❱❱ Blockchain und Trusted Networks im Gesundheitswesen
❱❱ eHealth & Home Based Care
❱❱ Ambient Assisted Living
❱❱ Data & Health: Gesundheitsdaten im Spannungsfeld von Privacy und Publicy
❱❱ eHealth / Digital Health – Lessons Learned

Der Zertifikatskurs richtet sich insbesondere an:
❱❱ Health Care Professionals (Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Leitungspersonen in Pflege- und anderen Berufen des Gesundheitswesens)
❱❱ Personen aus öffentlichen Verwaltungen, Spital- und Heimverwaltung, Patientenorganisationen
❱❱ Personen mit Tätigkeitsfeldern bei Krankenkassen, Versicherungen, dem Pharmabereich und der Medizinaltechnik
❱❱ Personen aus den Bereichen Prävention, Sport/Bewegung/Fitness, Ernährung, Wellness etc.
❱❱ Personen in Bildung, Verwaltung und Wirtschaft, welche Fach- und Führungsfunktionen im Bereich Gesundheitssystem und -management innehaben
❱❱ Beraterinnen und Berater, Managerinnen und Manager sowie Projektleiterinnen und Projektleiter von (e)Health-Projekten
❱❱ Fachpersonen und Entscheidungsträger in den vielfältigen Bereichen von Health Care Infrastruktur und Dienstleistungen

Der CAS eHealth ist anerkannt durch das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF-FMH als Fortbildungsveranstaltung mit 25 Credits. Er kann auch als vollständiger Online-Kurs besucht werden. Weitere Informationen sowie der detaillierte Lehrplan sind erhältlich unter info(at)ikf.ch.

Prof. Dr. Andrea Belliger, exec. MBA, ist Prorektorin an der PH Luzern und leitet das private Forschungsund Weiterbildungsinstitut IKF. Sie forscht, lehrt und berät Organisationen zu Fragen von Trends und Veränderungen im gesellschaftlichen Kommunikationsverhalten und zu digitaler Transformation in unterschiedlichen Branchen und ist als Verwaltungsrätin in Schweizer Unternehmen tätig.



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